EM-Fazit

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Bagstone
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EM-Fazit

Beitrag von Bagstone » 02.07.12 07:28:50

Da nun alles vorbei ist, wuerde mich mal interessieren wie euer EM-Fazit aussieht?

Ich stimme irgendwie mit Oezil ueberein, der betont hat dass viele andere Teams mit dem Halbfinale gluecklich gewesen waeren. Ich glaube dass wir einen schlechten Tag hatten (so wie Italien gestern oder die Niederlande die ganze EM), waehrend Italien einen Sahnetag hatte (so wie Spanien gestern).

Die Kritik an Loew halte ich fuer laecherlich. Es war absolut sein Fehler, da braucht man nicht zu diskutieren; aber haette sonst jemand Lars Bender auf rechts gebracht gegen Daenemark? Haette vor der WM 2010 jemand Klose und Poldi mitgenommen? Er hat sehr oft richtige Entscheidungen getroffen, also muss man ihm diese eine, wenngleich sehr bittere Fehl-Entscheidung zugestehen.

Und dieses ewige Gelaber bzgl. "Typen wie Balotelli" ist seit gestern wohl auch eher laecherlich, oder hab ich so einen "Typen" bei Spanien uebersehen? Im Gegenteil, die gelten ja alle als noch viel demuetiger, nicht zuletzt aufgrund ihrer Barca-Erziehung. Die einzigen "Typen" die uns fehlen sind "Siegertypen" - also weg mit den Bayernspielern und her mit einem BVB/Real-Block. Insbesondere Oezil und Khedira werden 2014 als Doppel-CL-Sieger ein Team anfuehren koennen. ;-)

Meiner Meinung nach sind wir auf vielen Positionen gut besetzt, aber wir haben 3 Baustellen: die Abwehrseite wo Lahm nicht spielt, Badstuber (habe so einige Kommentare in der auslaendischen Presse gelesen die erkannt haben dass er einfach nicht die Klasse hat, wann sieht Loew das endlich auch), und der Sturm. Waehrend ich die ersten beiden Probleme fuer loesbar halte ("da wird sich schon einer finden lassen in 2 Jahren"), glaube ich dass 2014 Klose zu alt ist und Gomez von all den Hanks und Loews als Sturmspitze auserkoren wird - nur um dann wieder zu versagen, wenn es darauf ankommt. Meine leise Hoffnung ist, dass Klopp das macht was Loew angedeutet hat - Reus mal in den Sturm zu stellen. Oder vielleicht zumindest in so einer Art stuermerlosen Spiel wie Spanien es gezeigt hat. Sobald dieser Antifussballer und Chancentod Gomez da vorne raus ist, klappt's auch mit dem Titel ;)

Leguanson
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Beitrag von Leguanson » 02.07.12 13:29:36

Mal etwas montagmittägliches Brainstorming ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

* Das Runterbrechen auf gute/schlechte Tage, Glück und Pech, hätte wäre wenn etc, halte ich für wenig hilfreich. Erstens, mit derselben Taktik könnte man den glorreichen Triumph in der "Todesgruppe" (Glück gegen Portugal, Sieg gegen desolate Holländer, Zittern gegen Dänemark) zerlegen.Zweitens erkenne ich im Scheitern der Nationalmannschaft in den großen Final- und Halbfinalspielen seit 2006 ein gewisses Muster. Klar, Italien und Spanien waren jeweils starke Gegner, aber gleichzeitig waren "wir" auch schwach.

* Die etwas positivere Diagnose wäre, dass es ein Kopf-, Ein- und Aufstellungsproblem ist. Die negativere: Wir waren jeweils zu Unrecht im Vorfeld und während des Turniers der große Favorit, weil wir einfach nicht gut genug sind für ganz oben. In beiden Fällen muss nach den Ursachen gesucht werden, ein "weiter so wie bisher" kann es nicht geben, wenn man mal einen Titel holen will (was alle rund um Mannschaft und DFB ja immer betonen, das kommt ja nicht nur von außen)

* Italien war im Halbfinale durchaus nicht so überragend, wie es jetzt manche darstellen. Wir sind ja auch garnicht so schlecht ins Spiel gekommen. Es gab aber Momente, wie vor dem viel sezierten 1:0, da gab es Fehlerketten (Özil und Kroos stehen unentschlossen im Mittelfeld rum, vor allem Kroos völlig deplatziert, und pressen nicht gegen Pirlo, Hummels lässt sich von Cassano düpieren, Badstuber schläft gegen Balotelli), die auch mit einer gewissen Träg- und Unentschlossenheit einhergingen, und nicht mit spielerischer Unterlegenheit. Wie sowas in einem EM-Halbfinale passieren kann, erschließt sich mir nicht. Auch warum die Italiener laut UEFA-Statistik deutlich mehr gelaufen sind als die jüngste Mannschaft des Turniers, bleibt rätselhaft.

* Spanien ist der verdiente Turniersieger (11:1 Tore...), dahinter sehe ich einige etwa gleichwertige Mannschaften, keineswegs aber Deutschland als zweitstärkstes Team der EM

* Löw: Ich halte ihn nicht grundsätzlich für einen schlechten Trainer, aber ist er ein großer Trainer im Sinne eines Alphatiers/Dompteurs, der Mannschaften zu großen Triumphen führt? Das darf spätestens jetzt bezweifelt werden. Schaut man in seine Vereinskarriere, war das auch schon vorher zweifelhaft. Kritik an Löw, darauf bezogen, in großen Spielen zuwenig zu agieren, zuviel zu reagieren, irgendwo hasenfüßig aufzutreten, halte ich deshalb nicht für lächerlich, sondern für ganz wichtig. Nicht, weil ich unbedingt dafür bin, Löw abzusetzen (gerne könnte man es aber auch mal mit jemand anderem probieren, was natürlich nicht passieren wird), sondern weil er da an sich arbeiten muss, und wenn man immer nur Honig um den nicht vorhandenen Bart geschmiert bekommt, ist das schwerer, als wenn einem mal reiner Wein eingeschenkt wird

* Löws Personalpolitik: Da sich die erste Elf aufgrund relativ großer Auswahl an begabten Spielern nicht von allein aufstellt, hat Löw viel herumexperimentiert. Ein roter Faden war vor und während des Turniers nur schwer zu erkennen. Über sein angeblich "goldenes Händchen" konnte ich schon vor dem Halbfinale nur lachen. Sein störrisches Festhalten an Schweini kann man als zentralen handwerklichen Fehler betrachten, den Gomez mit seinen drei Toren wollte er gerade auswechseln, als er loslegte, Bender war auf der RV-Position schwach, fast alle gefährlichen dänischen Vorstöße kamen über seine Seite, und zu Reus musste er mehr oder weniger gezwungen werden, trotzdem durfte der wohl formstärkste OM während des Turniers nur zwei Halbzeiten ran.

* Einzelkritik: Mit Ausnahme von Reus und Khedira hat mich kein Feldspieler überzeugt. Da hatten viele mal helle, aber auch viele trübe Momente. Am ehesten möchte ich noch Hummels (trotz seines HF-Patzers) und Özil von der Kritik ausnehmen, da man mit Gomez kein Tiki-Taka spielen kann (Passgenauigkeit im Turnier 55%) und auch einige sonstige Abnehmer diverse Male mit Unzulänglichkeiten glänzten.

Kleiner fun fact für CR7-Fans: Ronaldo hat während des Turniers sagenhafte 35 Mal Richtung Tor geschossen, 20 Mal ging er vorbei (drüber, daneben, oder beides), 12 Mal wurde er gehalten, 3 Mal ging er rein. Das heißt ~8% seiner Versuche führten zu einem zählbaren Erfolg. Vergleich mit den anderen Spielern mit 3 Toren: Mandzukic ~60% Effektivität, Dzagoev, Gomez und Torres ~30%.
Eurosport: Gibt es etwas, was Ihnen nicht gefällt am heutigen Fußball?
Ronaldinho: Ich mag alles am Fußball, alles. Was mir nicht gefällt, ist, nicht spielen zu können. Es wäre perfekt, wenn ich immer spielen könnte.

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Beitrag von Chris » 02.07.12 19:25:52

wayne DFB
Leguanson hat geschrieben:Kleiner fun fact für CR7-Fans: Ronaldo hat während des Turniers sagenhafte 35 Mal Richtung Tor geschossen, 20 Mal ging er vorbei (drüber, daneben, oder beides), 12 Mal wurde er gehalten, 3 Mal ging er rein. Das heißt ~8% seiner Versuche führten zu einem zählbaren Erfolg. Vergleich mit den anderen Spielern mit 3 Toren: Mandzukic ~60% Effektivität, Dzagoev, Gomez und Torres ~30%.
CR7 ist kein Mittelstürmer, darüber hinaus läuft in seinem Team restlos alles über ihn.

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Beitrag von Bagstone » 03.07.12 03:10:10


Chris
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Beitrag von Chris » 03.07.12 13:37:30

Weiß gar nicht was das soll, für wen der Text gedacht ist? 5/6 (oder so) der Deutschland-Fans hat die Fähnchen nach Balotellis 2:0 schon eingepackt und interessiert sich weder für die Gründe des Ausscheidens noch für Fussball generell für die nächsten zwei Jahre. Genau diese Fans wurden durch die Medien gefüttert. Sachliche, nüchterne Analysen waren gar nicht vorgesehen, nur das populistische und allseits beliebte Spielerbashing.

Und der Rest hat Ahnung von Fussball, weiß das Abschneiden einzuschätzen und hat die EM abgehakt.

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